Vorgänge in einem Projekt stehen häufig nicht unabhängig nebeneinander. Manche Arbeiten können erst beginnen, wenn andere abgeschlossen sind, während andere parallel starten oder an ihrem Ende miteinander verknüpft sind. Solche Abhängigkeiten bestimmen die logische und zeitliche Reihenfolge von Vorgängen im Projektplan.
Für die Verknüpfung von Anfang und Ende zweier Vorgänge werden vier grundlegende Beziehungstypen unterschieden: Ende–Anfang, Anfang–Anfang, Ende–Ende und Anfang–Ende. Welche Beziehung sinnvoll ist, hängt davon ab, welcher Start- oder Endpunkt eines Vorgangs tatsächlich von einem anderen abhängt.
Was sind Abhängigkeiten im Projektmanagement?
Abhängigkeiten im Projektmanagement beschreiben, wie Vorgänge logisch oder zeitlich miteinander verknüpft sind. Dabei wird ein Vorgang als Vorgänger und der davon abhängige Vorgang als Nachfolger betrachtet. Die Beziehung legt fest, ob Anfang oder Ende des Nachfolgers vom Anfang oder Ende des Vorgängers abhängt.
Solche Verknüpfungen werden auch als Vorgangsbeziehungen oder Anordnungsbeziehungen bezeichnet. Daraus ergeben sich vier grundlegende Kombinationen:
| Beziehung | Kürzel | Englische Bezeichnung | Grundlogik |
|---|---|---|---|
| Ende–Anfang | EA | Finish-to-Start (FS) | B startet abhängig vom Ende von A |
| Anfang–Anfang | AA | Start-to-Start (SS) | B startet abhängig vom Start von A |
| Ende–Ende | EE | Finish-to-Finish (FF) | B endet abhängig vom Ende von A |
| Anfang–Ende | AE | Start-to-Finish (SF) | B endet abhängig vom Start von A |
In diesem Beitrag geht es um diese vier Vorgangsbeziehungen innerhalb der Ablauf- und Terminplanung. Andere Formen von Projektabhängigkeiten – beispielsweise Abhängigkeiten von externen Beteiligten oder verfügbaren Ressourcen – sind davon zu unterscheiden.
01 Ende–Anfang (EA): Nachfolger startet nach Ende des Vorgängers
Die Ende–Anfang-Beziehung (EA) verknüpft das Ende des Vorgängers mit dem Anfang des Nachfolgers. Der nachfolgende Vorgang kann erst beginnen, wenn der vorherige Vorgang abgeschlossen ist. International wird diese Beziehung als Finish-to-Start (FS) bezeichnet.
Sie eignet sich für Arbeitsschritte, die tatsächlich auf dem Ergebnis eines vorherigen Vorgangs aufbauen.
Beispiel: Bei der Entwicklung einer neuen Unternehmenswebsite soll zunächst das Seitenkonzept fertiggestellt werden. Erst wenn das Konzept abgeschlossen ist, beginnt die technische Umsetzung.
Vorgang A: Seitenkonzept erstellen
↓ Ende–Anfang
Vorgang B: Website technisch umsetzen
EA bildet damit einen sequenziellen Ablauf ab: Erst wird der Vorgänger beendet, anschließend kann der Nachfolger starten.
02 Anfang–Anfang (AA): Nachfolger startet abhängig vom Beginn des Vorgängers
Bei einer Anfang–Anfang-Beziehung (AA) ist der Start des Nachfolgers mit dem Start des Vorgängers verknüpft. Der Nachfolger kann beginnen, sobald der Vorgänger begonnen hat. Die internationale Bezeichnung lautet Start-to-Start (SS).
Diese Beziehung eignet sich für Arbeiten, die nicht vollständig nacheinander ausgeführt werden müssen, deren Beginn aber logisch miteinander verbunden ist.
Beispiel: Bei der Erstellung einer umfangreichen Website können die ersten fertiggestellten Inhalte bereits redaktionell geprüft werden, während weitere Inhalte noch erstellt werden. Die redaktionelle Prüfung setzt voraus, dass die Inhaltserstellung begonnen hat, muss aber nicht warten, bis sie vollständig abgeschlossen ist.
Vorgang A: Website-Inhalte erstellen
↓ Anfang–Anfang
Vorgang B: Inhalte redaktionell prüfen
Eine Anfang–Anfang-Beziehung bedeutet dabei nicht, dass beide Vorgänge exakt gleichzeitig starten müssen. Sie beschreibt zunächst die Abhängigkeit zwischen ihren Startpunkten. Mit einem zusätzlichen Zeitabstand kann der Nachfolger beispielsweise erst einige Tage nach Beginn des Vorgängers starten.
03 Ende–Ende (EE): Nachfolger endet abhängig vom Ende des Vorgängers
Bei einer Ende–Ende-Beziehung (EE) ist das Ende des Nachfolgers mit dem Ende des Vorgängers verknüpft. Der Nachfolger kann erst beendet werden, wenn der Vorgänger abgeschlossen ist. International wird diese Beziehung als Finish-to-Finish (FF) bezeichnet.
Sie eignet sich für Arbeiten, deren Abschluss voneinander abhängt, die aber nicht zwingend zum gleichen Zeitpunkt beginnen müssen.
Beispiel: Während einer Datenmigration wird parallel ein Migrationsprotokoll erstellt. Das Protokoll kann bereits während der Migration bearbeitet werden, lässt sich aber erst abschließen, wenn die Migration beendet ist und alle Ergebnisse dokumentiert werden können.
Vorgang A: Daten migrieren
↓ Ende–Ende
Vorgang B: Migrationsprotokoll erstellen
Eine Ende–Ende-Beziehung bedeutet nicht automatisch, dass beide Vorgänge exakt gleichzeitig enden. Entscheidend ist, dass der Abschluss des Nachfolgers vom Abschluss des Vorgängers abhängt. Ein zusätzlicher Zeitabstand kann diese Beziehung weiter präzisieren.
04 Anfang–Ende (AE): Nachfolger endet abhängig vom Start des Vorgängers
Die Anfang–Ende-Beziehung (AE) verknüpft den Beginn des Vorgängers mit dem Ende des Nachfolgers. Der Nachfolger kann erst beendet werden, wenn der Vorgänger begonnen hat. Die internationale Bezeichnung lautet Start-to-Finish (SF).
Dieser Beziehungstyp kommt vergleichsweise selten vor. Ein typischer Anwendungsfall ist eine Übergabe, bei der eine bestehende Tätigkeit so lange fortgeführt werden muss, bis ihre Ablösung begonnen hat.
Beispiel: Bei einem Schichtwechsel darf die bisherige Schicht erst enden, nachdem die nachfolgende Schicht ihren Dienst begonnen hat.
Vorgang A: Neue Schicht beginnt
↓ Anfang–Ende
Vorgang B: Bisherige Schicht endet
Hier ist die Blickrichtung besonders wichtig: Der Start von A bestimmt, wann B enden kann. Genau dadurch unterscheidet sich AE von den drei anderen Beziehungstypen.
05 Welche Abhängigkeit passt wann?
Welche Vorgangsbeziehung passt, hängt davon ab, welcher Start- oder Endpunkt tatsächlich von einem anderen Vorgang abhängt. Entscheidend ist also nicht, welche Beziehung sich technisch anlegen lässt, sondern welche logische Abfolge der Projektablauf erfordert.
| Wenn … | passende Beziehung |
|---|---|
| B erst beginnen kann, nachdem A abgeschlossen ist | Ende–Anfang (EA) |
| der Beginn von B vom Beginn von A abhängt | Anfang–Anfang (AA) |
| das Ende von B vom Ende von A abhängt | Ende–Ende (EE) |
| das Ende von B vom Beginn von A abhängt | Anfang–Ende (AE) |
In vielen sequenziellen Abläufen ist Ende–Anfang die naheliegende Beziehung: Eine Arbeit liefert ein Ergebnis, das für den nächsten Vorgang benötigt wird. Die anderen Beziehungstypen werden relevant, wenn Arbeiten überlappen können oder ihre Start- beziehungsweise Endpunkte auf andere Weise miteinander verknüpft sind.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Abhängigkeit und bloßer Reihenfolge. Wenn Vorgang B laut Planung nach Vorgang A stattfindet, bedeutet das noch nicht automatisch, dass B tatsächlich von A abhängig ist. Eine Vorgangsbeziehung sollte einen sachlichen Zusammenhang im Projektablauf abbilden.
06 Zeitabstände zwischen abhängigen Vorgängen berücksichtigen
Der Beziehungstyp legt fest, welche Start- oder Endpunkte zweier Vorgänge miteinander verknüpft sind. Zusätzlich kann ein Zeitabstand erforderlich sein, wenn der Nachfolger nicht unmittelbar am verknüpften Zeitpunkt beginnen oder enden soll.
Beispiel: Nach dem Auftragen einer Beschichtung muss diese zwei Tage trocknen, bevor die anschließende Montage beginnen kann.
Vorgang A: Beschichtung auftragen
↓ Ende–Anfang + 2 Tage Zeitabstand
Vorgang B: Montage beginnen
Die Abhängigkeit bleibt eine Ende–Anfang-Beziehung. Der zusätzliche Zeitabstand bildet die Wartezeit zwischen beiden Vorgängen ab.
Auch Überlappungen können in Planungssystemen über entsprechende Zeitversätze abgebildet werden. Ob und wie positive oder negative Zeitabstände unterstützt werden, hängt jedoch von der eingesetzten Projektmanagement-Software ab.
07 Typische Fehler bei Abhängigkeiten im Projekt
Abhängigkeiten helfen dabei, die tatsächliche Logik eines Projektablaufs abzubilden. Werden jedoch zu viele oder unpassende Vorgangsbeziehungen angelegt, kann der Projektplan unnötig starr oder schwer nachvollziehbar werden. Besonders diese Fehler sollten vermieden werden:
Jede zeitliche Reihenfolge als Abhängigkeit behandeln
Nur weil Vorgang B im Projektplan nach Vorgang A stattfindet, besteht nicht automatisch eine Abhängigkeit. Entscheidend ist, ob der Start oder das Ende von B tatsächlich vom Start oder Ende von A abhängt.
Automatisch Ende–Anfang verwenden
Ende–Anfang ist für sequenzielle Abläufe geeignet, sollte aber nicht pauschal für jede Verknüpfung eingesetzt werden. Können Arbeiten bereits beginnen, bevor ein Vorgänger vollständig abgeschlossen ist, kann beispielsweise eine Anfang–Anfang-Beziehung die tatsächliche Ablauflogik besser abbilden.
Anfang–Anfang mit gleichzeitigem Start verwechseln
Eine Anfang–Anfang-Beziehung bedeutet nicht zwingend, dass beide Vorgänge zum selben Zeitpunkt beginnen. Sie verknüpft ihre Startpunkte. Ein zusätzlicher Zeitabstand kann festlegen, dass der Nachfolger beispielsweise erst einige Tage nach Beginn des Vorgängers startet.
Ende–Ende mit gleichzeitigem Abschluss verwechseln
Auch bei Ende–Ende müssen beide Vorgänge nicht zwangsläufig gleichzeitig abgeschlossen werden. Die Beziehung beschreibt, dass das Ende des Nachfolgers vom Ende des Vorgängers abhängt. Ein möglicher Zeitabstand ist davon getrennt zu betrachten.
Zu viele Abhängigkeiten anlegen
Nicht jeder Vorgang muss mit möglichst vielen anderen Vorgängen verknüpft werden. Abhängigkeiten sollten dort eingesetzt werden, wo ein tatsächlicher sachlicher oder zeitlicher Zusammenhang besteht. Unnötige Verknüpfungen erhöhen die Komplexität des Projektplans und können Terminänderungen schwerer nachvollziehbar machen.
Abhängigkeiten mit TimO im Gantt-Diagramm abbilden
Mit TimO können Sie Abhängigkeiten in der Projektplanung abbilden und im Gantt-Diagramm visualisieren. Dadurch werden zeitliche Zusammenhänge zwischen Planungselementen direkt im Projektverlauf sichtbar.
Werden Termine in der Planung verschoben, berücksichtigt TimO bestehende Abhängigkeiten bei der Anpassung des Projektplans. So lässt sich nachvollziehen, wie sich Terminänderungen auf miteinander verknüpfte Planungselemente auswirken.

Fazit: Abhängigkeiten im Projekt richtig abbilden
Abhängigkeiten im Projektmanagement bilden ab, wie Vorgänge logisch und zeitlich miteinander verknüpft sind. Entscheidend ist, welcher Start- oder Endpunkt eines Nachfolgers tatsächlich vom Vorgänger abhängt. Daraus ergibt sich, ob eine Ende–Anfang-, Anfang–Anfang-, Ende–Ende- oder Anfang–Ende-Beziehung die tatsächliche Ablauflogik am besten beschreibt.
Nicht jede zeitliche Reihenfolge benötigt dabei eine Vorgangsbeziehung. Abhängigkeiten sollten dort eingesetzt werden, wo zwischen Vorgängen ein tatsächlicher Zusammenhang besteht. Benötigt der Nachfolger zusätzlich einen zeitlichen Versatz, kann die Beziehung um einen entsprechenden Zeitabstand ergänzt werden.
So entsteht ein Projektplan, der nicht nur Termine auflistet, sondern die logischen Zusammenhänge zwischen den Vorgängen nachvollziehbar abbildet.
