Die digitale Zeiterfassung einzuführen bedeutet mehr, als eine Software auszuwählen und Mitarbeiterzugänge anzulegen. Damit die Arbeitszeiterfassung im Alltag funktioniert, müssen Arbeitszeitregeln, Buchungswege, Zuständigkeiten und Abläufe aufeinander abgestimmt sein.
Ob Büro, Homeoffice, Außendienst oder Schichtbetrieb: Unternehmen sollten vor dem Start klären, wer seine Arbeitszeiten wie erfasst, wer Buchungen prüft und wie Korrekturen oder Abwesenheiten bearbeitet werden. Ein strukturierter Einführungsprozess hilft, typische Fehler zu vermeiden und die Beschäftigten frühzeitig einzubeziehen.
Diese Checkliste in sieben Schritten zeigt Ihnen, wie Sie die digitale Zeiterfassung vorbereiten, im Unternehmen testen und anschließend in den Regelbetrieb überführen.
01 Digitale Zeiterfassung einführen: Die 7 Schritte im Überblick
- Anforderungen erfassen: Arbeitsorte, Mitarbeitergruppen, Arbeitszeitmodelle und bestehende Abläufe dokumentieren.
- Buchungswege wählen: Browser, Smartphone-App oder gemeinsame Erfassungsgeräte passend zum Arbeitsplatz festlegen.
- Rechte und Regeln definieren: Zeitkonten, Pausen, Korrekturen, Freigaben und Verantwortlichkeiten einrichten.
- Datenschutz und Recht prüfen: Datenverarbeitung, Zugriffsrechte und betriebliche Vorgaben vor dem Start klären.
- Pilotphase durchführen: Typische Buchungs- und Verwaltungsabläufe mit einer Testgruppe erproben.
- Mitarbeiter informieren: Buchungsregeln erklären, Ansprechpartner benennen und Fragen beantworten.
- Regelbetrieb kontrollieren: Datenqualität, Rückfragen und Abläufe prüfen und bei Bedarf verbessern.
Tipp: Legen Sie für jeden Schritt eine verantwortliche Person und einen geplanten Abschlusstermin fest. So bleibt die Einführung auch bei mehreren Abteilungen oder Standorten überschaubar.
Schritt 1: Anforderungen an die Zeiterfassung erfassen
Bevor Sie die digitale Zeiterfassung einrichten, sollten Sie die Arbeitsbedingungen und bisherigen Abläufe in Ihrem Unternehmen dokumentieren. So erkennen Sie frühzeitig, welche Mitarbeitergruppen unterschiedliche Anforderungen haben und welche Prozesse künftig digital abgebildet werden müssen.
Prüfen Sie dafür fünf Bereiche:
- Mitarbeitergruppen: Wer soll Arbeitszeiten erfassen? Berücksichtigen Sie beispielsweise Vollzeit- und Teilzeitkräfte, Auszubildende, Führungskräfte und Beschäftigte mit wechselnden Einsatzorten.
- Arbeitsorte: Wird im Büro, Homeoffice, Außendienst, auf Baustellen oder an mehreren Standorten gearbeitet?
- Arbeitszeitmodelle: Welche festen oder flexiblen Arbeitszeiten, Schichtmodelle, Pausenregelungen und Überstundenvereinbarungen gelten?
- Bisherige Abläufe: Wie werden Arbeitszeiten, Abwesenheiten und Korrekturen aktuell dokumentiert? Wer prüft oder genehmigt Änderungen?
- Verwaltung und Abrechnung: Welche Informationen benötigen Personalabteilung, Führungskräfte und Lohnbuchhaltung? Müssen Daten an andere Systeme übertragen werden?
Checkliste: Sind die Anforderungen vollständig?
- Alle relevanten Mitarbeitergruppen sind erfasst.
- Arbeitsorte und unterschiedliche Einsatzbedingungen sind dokumentiert.
- Arbeitszeitmodelle und Pausenregelungen sind festgehalten.
- Bestehende Buchungs-, Korrektur- und Genehmigungsabläufe sind bekannt.
- Zuständigkeiten für Zeitprüfung und Lohnabrechnung sind geklärt.
- Benötigte Auswertungen und Datenübertragungen sind erfasst.
Ergebnis dieses Schritts: Eine abgestimmte Anforderungsliste, die als Grundlage für die Auswahl der Buchungswege und die spätere Einrichtung des Zeiterfassungssystems dient.
Schritt 2: Passende Buchungswege für die Zeiterfassung wählen
Nicht alle Beschäftigten erfassen ihre Arbeitszeiten am gleichen Ort. Während Bürokräfte häufig am Computer arbeiten, benötigen Mitarbeiter im Außendienst oder an wechselnden Einsatzorten andere Möglichkeiten. Deshalb sollten Unternehmen vor der Einführung festlegen, welcher Buchungsweg zu welcher Mitarbeitergruppe passt.
Für die digitale Zeiterfassung kommen unterschiedliche Erfassungswege infrage:
| Buchungsweg | Typischer Einsatzbereich | Worauf Unternehmen achten sollten |
|---|---|---|
| Browser am Computer | Büro, Verwaltung, Homeoffice | Einfacher Zugang am Arbeitsplatz und klare Buchungsregeln |
| Smartphone-App | Außendienst, mobile Teams, wechselnde Einsatzorte | Geeignete Geräte, Zugriffsregelungen und mobile Nutzung |
| Gemeinsame Erfassungsgeräte | Werkstatt, Lager, Produktion | Eindeutige Zuordnung der Buchungen zu den Beschäftigten |
| Stationäre Zeiterfassungsterminals | Feste Betriebsstandorte mit vielen Beschäftigten | Standort, Bedienbarkeit und benötigte Hardware |
Welche Erfassungswege passen zu Ihrem Unternehmen?
Orientieren Sie sich bei der Auswahl an den tatsächlichen Arbeitsabläufen:
- Büro und Homeoffice: Prüfen Sie, ob die Zeiterfassung direkt am vorhandenen Computer erfolgen kann.
- Außendienst und mobile Tätigkeiten: Klären Sie, ob eine Smartphone-App benötigt wird und welche betrieblichen Regeln für ihre Nutzung gelten.
- Produktion, Lager und Werkstatt: Prüfen Sie, ob ein gemeinsam zugänglicher Buchungspunkt sinnvoller ist als eine individuelle Anmeldung am Computer.
- Mehrere Standorte: Legen Sie fest, ob überall dieselben Buchungswege genutzt werden sollen oder standortspezifische Lösungen erforderlich sind.
Berücksichtigen Sie außerdem, wie Beschäftigte Arbeitsbeginn, Arbeitsende und Pausen erfassen und was bei vergessenen Buchungen oder technischen Problemen geschieht.
Checkliste: Sind die Buchungswege festgelegt?
- Für jede Mitarbeitergruppe ist ein geeigneter Buchungsweg ausgewählt.
- Benötigte Geräte und Zugänge sind erfasst.
- Die Nutzung von Smartphones und gemeinsam verwendeten Geräten ist geklärt.
- Buchungsabläufe für Arbeitsbeginn, Arbeitsende und Pausen sind festgelegt.
- Ein Vorgehen bei vergessenen Buchungen und technischen Ausfällen ist vorgesehen.
Ergebnis dieses Schritts: Ein Erfassungskonzept, das festlegt, welche Mitarbeitergruppen ihre Arbeitszeiten über welche Geräte und Zugänge buchen sollen.
Welche digitalen Erfassungswege TimO® unterstützt, erfahren Sie auf unserer Seite zur Zeiterfassung von TimO®.
Schritt 3: Rechte, Arbeitszeitregeln und Verantwortlichkeiten festlegen
Bevor die digitale Zeiterfassung startet, müssen die Zuständigkeiten und Arbeitszeitregeln geklärt sein. Legen Sie fest, wer Zeiten erfasst, Buchungen korrigieren darf, Änderungen prüft und Auswertungen benötigt. So entstehen nachvollziehbare Abläufe für Beschäftigte, Führungskräfte und Verwaltung.
Rollen und Berechtigungen definieren
Nicht alle Personen benötigen dieselben Zugriffsrechte. Unterscheiden Sie bei der Einrichtung beispielsweise folgende Rollen:
| Rolle | Typische Aufgaben |
|---|---|
| Beschäftigte | Eigene Arbeitszeiten erfassen, Buchungen prüfen und Korrekturen melden |
| Führungskräfte | Zuständige Mitarbeitergruppen betreuen und vorgesehene Freigaben bearbeiten |
| Personalabteilung | Arbeitszeitmodelle verwalten, Zeitkonten prüfen und Korrekturprozesse koordinieren |
| Lohnbuchhaltung | Freigegebene Abrechnungsdaten übernehmen und auf Vollständigkeit prüfen |
| Systemadministration | Benutzerzugänge, Rollen und technische Einstellungen verwalten |
Welche Aufgaben tatsächlich einer Rolle zugeordnet werden, hängt von der Organisation des Unternehmens und den Berechtigungsmöglichkeiten der eingesetzten Software ab.
Arbeitszeitregeln und Korrekturabläufe festlegen
Definieren Sie vor dem Start einheitliche Regeln für die tägliche Nutzung:
- Arbeitsbeginn und Arbeitsende: Wann und auf welchem Weg sollen Beschäftigte ihre Zeiten buchen?
- Pausen: Wie werden Pausen erfasst und wie gehen Beschäftigte mit vergessenen Pausenbuchungen um?
- Überstunden und Zeitkonten: Welche betrieblichen Vereinbarungen gelten für Mehrarbeit, Freigaben und den Ausgleich von Zeitguthaben?
- Fehlende oder falsche Buchungen: Wer darf Korrekturen beantragen, bearbeiten und bestätigen?
- Abwesenheiten: Wer bearbeitet Urlaubsanträge und andere Abwesenheitsmeldungen, sofern diese über das System verwaltet werden?
- Vertretungen: Wer übernimmt Prüfungen und Freigaben, wenn die zuständige Person abwesend ist?
Praxisbeispiel: Ein Mitarbeiter vergisst, das Arbeitsende zu buchen. Er meldet die fehlende Buchung über den vorgesehenen Korrekturweg. Die zuständige Person prüft die Angabe und veranlasst die Berichtigung. Dabei sollte nachvollziehbar bleiben, welche Zeit ursprünglich erfasst und welche Änderung vorgenommen wurde.
Checkliste: Sind Regeln und Verantwortlichkeiten geklärt?
- Rollen und benötigte Zugriffsrechte sind definiert.
- Verantwortliche für Zeitprüfung, Korrekturen und Freigaben sind benannt.
- Arbeitszeitmodelle, Pausen und Zeitkonten sind berücksichtigt.
- Der Umgang mit Überstunden und fehlenden Buchungen ist festgelegt.
- Vertretungsregelungen sind dokumentiert.
- Zuständigkeiten für Personalverwaltung und Lohnabrechnung sind geklärt.
Ergebnis dieses Schritts: Ein dokumentiertes Rollen- und Regelkonzept, das festlegt, wer welche Aufgaben übernimmt und wie Arbeitszeitbuchungen im Unternehmen bearbeitet werden.
Schritt 4: Datenschutz und rechtliche Vorgaben prüfen
Bei der digitalen Zeiterfassung werden personenbezogene Arbeitszeitdaten verarbeitet. Unternehmen sollten deshalb vor der Einführung prüfen, welche gesetzlichen Anforderungen gelten, wer auf die Daten zugreifen darf und wie die Verarbeitung abgesichert wird.
Arbeitszeiterfassung und Arbeitszeitrecht berücksichtigen
Arbeitgeber sind nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts grundsätzlich verpflichtet, ein System einzuführen und zu verwenden, mit dem Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Überstunden erfasst werden.
Daraus folgt jedoch keine ausnahmslose allgemeine Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung. Bei der konkreten Ausgestaltung sind die jeweils geltenden gesetzlichen und betrieblichen Anforderungen zu berücksichtigen.
Weitere Informationen zur gesetzlichen Pflicht und den rechtlichen Grundlagen finden Sie in unserem Ratgeber zur Arbeitszeiterfassung.
Datenschutz vor dem Start klären
Prüfen Sie gemeinsam mit den zuständigen Verantwortlichen insbesondere folgende Punkte:
- Verarbeitungszweck und Rechtsgrundlage: Warum werden die Arbeitszeitdaten verarbeitet und auf welcher rechtlichen Grundlage?
- Zugriffsrechte: Welche Personen dürfen Arbeitszeiten einsehen, bearbeiten oder auswerten?
- Aufbewahrung und Löschung: Welche gesetzlichen Aufbewahrungspflichten und datenschutzrechtlichen Löschvorgaben gelten für die jeweiligen Daten?
- Auftragsverarbeitung: Ist beim Einsatz eines externen Softwareanbieters ein Auftragsverarbeitungsvertrag erforderlich und entsprechend abgeschlossen?
- Datensicherheit: Welche technischen und organisatorischen Maßnahmen schützen die Daten vor unberechtigtem Zugriff oder Verlust?
- Beschäftigteninformation: Wie werden Beschäftigte über die Verarbeitung ihrer Daten informiert?
Falls zusätzliche Funktionen wie eine Standorterfassung eingesetzt werden sollen, ist deren datenschutzrechtliche Zulässigkeit gesondert zu prüfen.
Welche datenschutzrechtlichen Fragen Unternehmen dabei berücksichtigen sollten, erläutern wir ausführlicher im Beitrag Zeiterfassung und Datenschutz.
Betriebsrat und zuständige Stellen einbeziehen
Besteht ein Betriebsrat, sollten Unternehmen seine Beteiligungsrechte frühzeitig prüfen. Bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung der Beschäftigten bestimmt sind, können Mitbestimmungsrechte bestehen.
Beziehen Sie außerdem die zuständigen Personen aus Personalabteilung, IT und Datenschutz in die Einführung ein.
Checkliste: Sind die rechtlichen und datenschutzbezogenen Fragen geklärt?
- Die Anforderungen an die Arbeitszeiterfassung sind geprüft.
- Verarbeitungszwecke und Rechtsgrundlagen sind dokumentiert.
- Zugriffsrechte sowie Aufbewahrungs- und Löschregeln sind festgelegt.
- Erforderliche Verträge und Datenschutzinformationen sind vorbereitet.
- Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen sind geprüft.
- Gegebenenfalls bestehende Mitbestimmungsrechte sind berücksichtigt.
Ergebnis dieses Schritts: Die rechtlichen und datenschutzbezogenen Voraussetzungen für die geplante Einführung sind geprüft und erforderliche Maßnahmen vor dem Produktivstart festgelegt.
Schritt 5: Digitale Zeiterfassung in einer Pilotphase testen
Bevor Sie die digitale Zeiterfassung im gesamten Unternehmen einführen, empfiehlt sich ein Pilotbetrieb mit einer ausgewählten Mitarbeitergruppe. So können Sie prüfen, ob die Buchungswege, Arbeitszeitregeln und Verwaltungsabläufe unter realistischen Bedingungen funktionieren.
Testgruppe und Zeitraum festlegen
Wählen Sie Beschäftigte aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen aus. Wenn Ihr Unternehmen beispielsweise Büroarbeitsplätze, Homeoffice und Außendienst kombiniert, sollten diese Arbeitsumgebungen möglichst auch im Test vertreten sein.
Legen Sie außerdem fest, wer die Pilotphase betreut, Rückmeldungen sammelt und notwendige Anpassungen koordiniert.
Der Testzeitraum sollte ausreichend lang sein, um typische Abläufe einschließlich Korrekturen und Freigaben zu prüfen.
Typische Arbeitsabläufe testen
Prüfen Sie nicht nur, ob eine Buchung technisch funktioniert. Testen Sie den vollständigen Ablauf von der Erfassung bis zur Kontrolle.
| Testfall | Was sollte geprüft werden? |
|---|---|
| Arbeitsbeginn und Arbeitsende | Werden die Zeiten korrekt erfasst und zugeordnet? |
| Pausen | Funktioniert die Erfassung entsprechend den festgelegten Regeln? |
| Vergessene Buchung | Können Fehler über den vorgesehenen Korrekturweg behoben werden? |
| Unterschiedliche Arbeitsorte | Funktionieren die vorgesehenen Buchungswege im Büro, Homeoffice oder unterwegs? |
| Zeitkonten und Überstunden | Werden die vereinbarten Arbeitszeitregeln korrekt abgebildet? |
| Abwesenheiten und Freigaben | Funktionieren die vorgesehenen Antrags- und Genehmigungsabläufe? |
| Auswertungen und Datenübertragung | Stehen die benötigten Daten vollständig und in der richtigen Form bereit? |
Prüfen Sie bei Bedarf auch, wie Beschäftigte bei einer technischen Störung vorgehen und wie fehlende Zeiten nachgetragen werden.
Rückmeldungen auswerten und Einführung vorbereiten
Sammeln Sie während des Pilotbetriebs Fragen und Schwierigkeiten der Testgruppe. Besonders aufschlussreich sind wiederkehrende Buchungsfehler, unklare Zuständigkeiten und Probleme bei der Weiterverarbeitung der Daten.
Vor dem unternehmensweiten Start sollten Sie folgende Fragen beantworten können:
- Sind die vorgesehenen Buchungswege im Arbeitsalltag nutzbar?
- Funktionieren Korrekturen und Freigaben wie geplant?
- Stimmen Zeitkonten und benötigte Auswertungen?
- Sind die Zuständigkeiten für Rückfragen und Fehler geklärt?
- Müssen Einstellungen oder Anleitungen angepasst werden?
Checkliste: Ist der Pilotbetrieb abgeschlossen?
- Eine geeignete Testgruppe wurde ausgewählt.
- Testzeitraum und verantwortliche Personen sind festgelegt.
- Die wichtigsten Buchungs- und Verwaltungsabläufe wurden geprüft.
- Fehler und Rückmeldungen wurden dokumentiert.
- Notwendige Anpassungen wurden umgesetzt und erneut getestet.
- Die Entscheidung über den unternehmensweiten Start wurde getroffen.
Ergebnis dieses Schritts: Ein geprüfter Einführungsablauf mit dokumentierten Testergebnissen und einer Entscheidung darüber, ob die digitale Zeiterfassung für den Produktivstart bereit ist.
Pilotphase mit TimO® durchführen: Sie möchten die digitale Zeiterfassung anhand Ihrer eigenen Arbeitsabläufe erproben? Die TimO®-Zeiterfassung können Sie 30 Tage kostenlos testen.
Schritt 6: Mitarbeiter informieren und auf die digitale Zeiterfassung vorbereiten
Eine digitale Zeiterfassung funktioniert im Alltag nur dann zuverlässig, wenn die Beschäftigten wissen, wie sie das System nutzen sollen. Informieren Sie deshalb alle betroffenen Mitarbeiter rechtzeitig vor dem Produktivstart über die neuen Buchungswege, geltenden Regeln und zuständigen Ansprechpartner.
Die Einweisung sollte sich an den tatsächlichen Arbeitsabläufen orientieren. Beschäftigte im Büro benötigen beispielsweise andere Informationen als Mitarbeiter, die ihre Zeiten unterwegs oder an einem gemeinsamen Erfassungsgerät buchen.
Welche Informationen benötigen die Mitarbeiter?
Klären Sie vor dem Start insbesondere diese Fragen:
- Beginn der Zeiterfassung: Ab welchem Datum wird das neue System verwendet?
- Zugang und Anmeldung: Wie erhalten Beschäftigte ihre Zugangsdaten und wo können sie sich anmelden?
- Arbeitszeiten buchen: Wie werden Arbeitsbeginn, Arbeitsende und Pausen erfasst?
- Fehler korrigieren: Was ist zu tun, wenn eine Buchung vergessen wurde oder eine Zeitangabe nicht stimmt?
- Zeitkonten und Abwesenheiten: Wo können Beschäftigte ihre erfassten Zeiten einsehen und gegebenenfalls Abwesenheiten beantragen?
- Technische Probleme: Wie werden Arbeitszeiten dokumentiert, wenn das System vorübergehend nicht erreichbar ist?
- Ansprechpartner: Wer hilft bei Fragen zur Bedienung, zu Arbeitszeitregeln oder zu fehlerhaften Buchungen?
Stellen Sie diese Informationen möglichst in einer kurzen, leicht zugänglichen Anleitung zusammen.
Einweisung anhand typischer Buchungssituationen durchführen
Eine kurze praktische Einführung ist häufig hilfreicher als eine umfangreiche Funktionsbeschreibung.
Zeigen Sie den Beschäftigten anhand ihres jeweiligen Buchungswegs, wie sie:
- sich anmelden und den Arbeitsbeginn erfassen,
- Pausen und Arbeitsende buchen,
- ihre erfassten Arbeitszeiten kontrollieren,
- eine fehlende oder falsche Buchung melden,
- bei Fragen oder technischen Problemen Unterstützung erhalten.
Wenn mehrere Buchungswege eingesetzt werden, sollten die Anleitungen auf die jeweiligen Mitarbeitergruppen abgestimmt sein.
Praxisbeispiel: Bürokräfte erhalten eine kurze Anleitung zur Zeiterfassung im Browser. Beschäftigte im Außendienst lernen die Buchung per Smartphone-App kennen. Für Mitarbeiter an einem gemeinsamen Erfassungsgerät wird der Buchungsvorgang direkt vor Ort erklärt.
Rückfragen und Verantwortlichkeiten organisieren
Legen Sie fest, an wen sich Beschäftigte bei unterschiedlichen Fragen wenden können:
| Anliegen | Möglicher Ansprechpartner |
|---|---|
| Anmeldung oder technische Probleme | IT oder Systemadministration |
| Fehlende oder falsche Buchungen | Zuständige Führungskraft oder Zeitverwaltung |
| Arbeitszeitregeln und Zeitkonten | Personalabteilung |
| Abwesenheiten und Genehmigungen | Zuständige Führungskraft oder Personalabteilung |
Die tatsächlichen Zuständigkeiten sollten mit dem Rollen- und Regelkonzept aus Schritt 3 übereinstimmen.
Checkliste: Sind die Mitarbeiter auf den Start vorbereitet?
- Alle betroffenen Beschäftigten kennen den Starttermin.
- Zugänge und benötigte Geräte sind vorbereitet.
- Buchungswege und Pausenregelungen wurden erklärt.
- Korrekturabläufe und das Vorgehen bei technischen Problemen sind bekannt.
- Kurze Anleitungen stehen zur Verfügung.
- Ansprechpartner und Vertretungen sind benannt.
- Offene Fragen aus den Einweisungen wurden geklärt.
Ergebnis dieses Schritts: Die Beschäftigten kennen die für sie relevanten Buchungsabläufe, haben Zugang zum System und wissen, an wen sie sich bei Fragen oder Fehlern wenden können.
Schritt 7: Digitale Zeiterfassung starten und laufend verbessern
Nach einer erfolgreichen Pilotphase kann die digitale Zeiterfassung in den regulären Betrieb übergehen. Mit dem Produktivstart ist die Einführung jedoch noch nicht abgeschlossen. Unternehmen sollten in den ersten Wochen prüfen, ob Arbeitszeiten vollständig erfasst, Korrekturen zuverlässig bearbeitet und die benötigten Daten korrekt weiterverarbeitet werden.
Produktivstart vorbereiten
Legen Sie einen verbindlichen Starttermin fest und prüfen Sie vorab, ob alle Beschäftigten ihre vorgesehenen Buchungswege nutzen können.
Achten Sie insbesondere darauf, dass:
- Benutzerzugänge und Berechtigungen eingerichtet sind,
- Arbeitszeitmodelle und Buchungsregeln den abgestimmten Vorgaben entsprechen,
- Ansprechpartner und Vertretungen erreichbar sind,
- die Beschäftigten über den Start informiert wurden,
- der Umgang mit technischen Störungen geregelt ist.
Klären Sie außerdem, ab welchem Zeitpunkt das neue System als maßgebliche Arbeitszeitdokumentation verwendet wird und wie gegebenenfalls noch offene Buchungen aus dem bisherigen Verfahren behandelt werden.
Arbeitszeitbuchungen und Abläufe kontrollieren
Prüfen Sie nach dem Start regelmäßig, ob die Zeiterfassung wie vorgesehen funktioniert.
| Kontrollbereich | Was sollte geprüft werden? |
|---|---|
| Vollständigkeit | Fehlen Arbeitsbeginn, Arbeitsende oder andere erforderliche Zeitangaben? |
| Pausen und Arbeitszeitregeln | Werden die festgelegten Buchungs- und Prüfabläufe eingehalten? |
| Korrekturen | Werden fehlende oder fehlerhafte Buchungen zeitnah bearbeitet? |
| Zeitkonten | Stimmen die erfassten Zeiten und die daraus berechneten Zeitstände? |
| Freigaben | Werden vorgesehene Prüfungen und Genehmigungen durchgeführt? |
| Lohnabrechnung und Schnittstellen | Stehen die benötigten Daten vollständig und im vereinbarten Format bereit? |
Besonders wichtig ist die Kontrolle vor dem ersten regulären Abrechnungsabschluss. So lassen sich fehlerhafte Zuordnungen oder unvollständige Datenübertragungen erkennen, bevor sie in nachgelagerte Prozesse übernommen werden.
Rückmeldungen auswerten und Abläufe anpassen
Sammeln Sie wiederkehrende Fragen und Probleme aus dem Arbeitsalltag. Unterscheiden Sie dabei zwischen Bedienungsfehlern, unklaren betrieblichen Regeln und technischen Schwierigkeiten.
Beispielsweise kann eine hohe Zahl nachträglicher Buchungskorrekturen darauf hinweisen, dass Beschäftigte zusätzliche Unterstützung benötigen oder ein Buchungsablauf unpraktisch gestaltet ist.
Prüfen Sie deshalb, ob:
- Anleitungen verständlicher formuliert werden müssen,
- zusätzliche Einweisungen sinnvoll sind,
- Zuständigkeiten und Vertretungen eindeutig geregelt sind,
- Buchungswege oder Einstellungen angepasst werden sollten.
Änderungen an Arbeitszeitregeln, Berechtigungen oder Datenverarbeitungen sollten vor der Umsetzung mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden.
Checkliste: Ist die digitale Zeiterfassung erfolgreich eingeführt?
- Der Produktivstart wurde vorbereitet und kommuniziert.
- Alle betroffenen Beschäftigten können ihre Arbeitszeiten erfassen.
- Die Ablösung bisheriger Erfassungsverfahren ist geregelt.
- Fehlende Buchungen und Korrekturen werden zuverlässig bearbeitet.
- Zeitkonten, Freigaben und Auswertungen wurden kontrolliert.
- Die erste reguläre Datenübertragung beziehungsweise Abrechnung wurde geprüft.
- Wiederkehrende Probleme werden dokumentiert und bearbeitet.
- Verantwortliche für die laufende Betreuung sind benannt.
Ergebnis dieses Schritts: Die digitale Zeiterfassung ist in den Regelbetrieb überführt. Verantwortlichkeiten, Kontrollabläufe und die Bearbeitung von Fehlern sind festgelegt, sodass das Unternehmen die Arbeitszeiterfassung dauerhaft betreuen und bei Bedarf verbessern kann.
Checkliste: Digitale Zeiterfassung erfolgreich einführen
Mit dieser Übersicht behalten Sie die wichtigsten Aufgaben bei der Einführung einer digitalen Zeiterfassung im Blick. Nutzen Sie die Checkliste, um den Fortschritt zu dokumentieren und offene Punkte rechtzeitig zu erkennen.
| Schritt | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| ☐ 1. Anforderungen erfassen | Mitarbeitergruppen, Arbeitsorte, Arbeitszeitmodelle und Verwaltungsabläufe dokumentieren | Abgestimmte Anforderungsliste |
| ☐ 2. Buchungswege wählen | Geeignete Erfassungswege und benötigte Geräte festlegen | Erfassungskonzept |
| ☐ 3. Regeln und Rechte festlegen | Zuständigkeiten, Berechtigungen, Korrekturen und Freigaben definieren | Rollen- und Regelkonzept |
| ☐ 4. Datenschutz und Recht prüfen | Rechtliche Anforderungen, Datenverarbeitung und erforderliche Beteiligungen klären | Dokumentierte Prüfergebnisse und Maßnahmen |
| ☐ 5. Pilotphase durchführen | Typische Arbeitsabläufe testen und festgestellte Probleme beheben | Geprüfter Einführungsablauf |
| ☐ 6. Mitarbeiter vorbereiten | Zugänge bereitstellen, Buchungswege erklären und Ansprechpartner benennen | Vorbereitete Beschäftigte |
| ☐ 7. Regelbetrieb starten | Produktivstart organisieren, Buchungen kontrollieren und Abläufe verbessern | Laufender Zeiterfassungsprozess |
Tipp für die Umsetzung: Ergänzen Sie zu jedem Schritt eine verantwortliche Person, einen Zieltermin und den Bearbeitungsstatus. So wird aus der Checkliste ein einfacher Einführungsplan.
Die Einführung ist abgeschlossen, wenn alle betroffenen Beschäftigten ihre Arbeitszeiten über die vorgesehenen Wege erfassen können, Korrekturen und Prüfungen funktionieren und die erforderlichen Daten für die nachgelagerten Verwaltungsprozesse bereitstehen. Die laufende Kontrolle bleibt auch danach notwendig.
Häufige Fragen zur Einführung digitaler Zeiterfassung
Die Dauer hängt von der Unternehmensgröße, den Arbeitszeitmodellen, den benötigten Erfassungswegen und den Schnittstellen ab. Ein Betrieb mit wenigen Beschäftigten und einfachen Arbeitszeitregeln benötigt in der Regel weniger Vorbereitungsaufwand als ein Unternehmen mit mehreren Standorten, Schichtmodellen und unterschiedlichen Genehmigungsabläufen. Planen Sie neben der Einrichtung auch Zeit für Tests, Mitarbeitereinweisungen und die Kontrolle des ersten Abrechnungszeitraums ein.
Zu den wichtigsten Vorbereitungen gehören eine Übersicht der Mitarbeitergruppen und Arbeitszeitmodelle, die Auswahl geeigneter Buchungswege sowie klare Regeln für Pausen, Korrekturen und Freigaben. Außerdem sollten Zuständigkeiten, benötigte Zugriffsrechte und datenschutzrechtliche Anforderungen geklärt sein. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Einrichtung und den Pilotbetrieb.
Nein. Unternehmen können unterschiedliche Erfassungswege kombinieren, sofern die eingesetzte Software dies unterstützt. Beispielsweise können Bürokräfte ihre Zeiten im Browser erfassen, während mobile Beschäftigte eine Smartphone-App nutzen. Für Werkstatt oder Produktion kann ein gemeinsam zugängliches Erfassungsgerät sinnvoll sein. Wichtig ist, dass alle Buchungen korrekt zugeordnet und zentral verarbeitet werden.
Besteht ein Betriebsrat, müssen seine gesetzlichen Mitbestimmungsrechte berücksichtigt werden. Insbesondere bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die zur Überwachung des Verhaltens oder der Leistung von Beschäftigten bestimmt sind, kann § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG relevant sein. Welche Beteiligung im konkreten Fall erforderlich ist, hängt von der geplanten Ausgestaltung und den geltenden Regelungen ab.
Ja. Ein Pilotbetrieb mit ausgewählten Beschäftigten ist eine sinnvolle Möglichkeit, die Einführung vorzubereiten. Dabei können unterschiedliche Arbeitsplätze, Buchungswege, Pausen, Korrekturen und Freigaben unter realistischen Bedingungen geprüft werden. Dokumentieren Sie Probleme und Rückmeldungen, bevor das System im gesamten Unternehmen eingesetzt wird.
Die TimO® Zeiterfassung kann 30 Tage kostenlos und unverbindlich getestet werden. Dafür sind keine Zahlungsdaten erforderlich. Die Testphase endet automatisch, sodass keine Kündigung notwendig ist. Nutzen Sie den Testzugang, um typische Buchungswege, Arbeitszeitregeln und Verwaltungsabläufe für Ihr Unternehmen zu prüfen.
Fazit: Digitale Zeiterfassung erfolgreich einführen
Wer eine digitale Zeiterfassung einführen möchte, sollte nicht nur die technischen Voraussetzungen schaffen. Entscheidend sind klare Arbeitszeitregeln, passende Buchungswege, geregelte Zuständigkeiten und Beschäftigte, die wissen, wie sie das System im Alltag nutzen.
Ein strukturierter Einführungsprozess hilft dabei, typische Probleme frühzeitig zu erkennen. Besonders wichtig sind eine realistische Pilotphase, verständliche Anleitungen und die Kontrolle der ersten Buchungs- und Abrechnungsabläufe.
Unsere Empfehlung: Beginnen Sie mit einer dokumentierten Anforderungsliste, testen Sie die vorgesehenen Arbeitsabläufe mit einer kleinen Mitarbeitergruppe und starten Sie erst dann mit dem unternehmensweiten Regelbetrieb.