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Warum Gruppendiskussionen sich verselbständigen

Die Arbeit im Team hat so ihre Tücken. Absurde Ideen, extreme Vorschläge, ins Leere laufende Meetings und handfeste Auseinandersetzungen kommen häufiger vor, als es allen Beteiligten und insbesondere den Teamleitern lieb sein kann. Verhindern lässt sich das kaum. Sie können der „Bestie“ Gruppendynamik aber die Zügel anlegen. Das dazu nötige Hintergrundwissen liefern wir Ihnen in diesem Blogbeitrag.

Gefährliche Gruppendynamik: Viele Köche verderben mitunter den Brei

Wenn intelligente, erwachsene Menschen mit irrwitzigen Vorschlägen um die Ecke kommen, die außerhalb jedweder Realität liegen, zu bockenden Kleinkindern mutieren, weil keiner auf ihre Vorschläge eingeht und selbst die vernünftigsten unter uns alle Zurückhaltung ablegen, um Einwände wutentbrannt abzuwehren, dann zeigt sich die gute alte Teamarbeit wieder einmal von ihrer schlechtesten Seite. Das kommt in den besten Teams vor. Vermeidung ist eigentlich nicht möglich. Wer kann schon den Punkt vorhersehen, der zu einer Verselbständigung der Gruppendiskussion führt? Wer vermag schon genügend emotionalen und intellektuellen Abstand zu wahren?

Was steckt dahinter?

Eben dies ist die Problematik hinter dem Phänomen, das Psychologen und Wissenschaftler mit den drei Mechanismen der Gruppendynamik und –polarisierung beschreiben:

  1. Beeinflussung: Nach einer Initialzündung durch einzelne Mitglieder und deren Vorschläge, offenbaren sich die grundlegenden Positionen. Sobald diese bekannt sind, ordnen sich die Diskussionsteilnehmer den verschiedenen Parteien zu und passen ihre Meinung aufgrund rationaler Argumente an.
  2. Vergleich: Mehr und mehr zeigt sich, dass sich hinter manchen Meinungen Gruppenwerte und –normen verbergen. Diese unbewusste Erkenntnis stößt die Anpassung und Neubewertung der eigenen Position an. Vornehmlich zur Vermeidung teaminterner Spannungen und sozialen Drucks.
  3. Differenzierung: Ähnlich dem Vergleichsprozess, erfolgt hier eine Anpassung an die Teilnehmer der Mehrheit(en). Zum Zwecke des „Gesichtwahrens“ wird hier jedoch die grundsätzliche Idee differenziert, weitergesponnen und mitunter übersteuert.

Die rationale Grundlage geht so schnell mal verloren. Das geschieht ganz unabhängig von der Zusammensetzung des Teams, mag die Auswahl der einzelnen Mitglieder auch noch so sorgfältig erfolgt sein.

Homogenität flop, Narzissten top

Es wäre übrigens ein tragischer Trugschluss Ihrerseits, wenn Sie zur Vermeidung der beschriebenen Ausartungen Ihre Truppe unter dem Gesichtspunkt maximaler Homogenität bilden. Zwar minimieren Sie derart die potenziellen Reibungsflächen und Auseinandersetzungen bei der Teamarbeit, verhindern damit jedoch gleichzeitig wichtige Innovationen. Erfolgreiche Projektarbeit setzt selbige zwingend voraus. Dies hat Ana Luiza Burcharth in ihrer Dissertation an der dänischen Aarhus School of Business der gleichnamigen Universität herausgefunden.

Die Forscher Jack A. Goncalo und Sharon H. Kim von der Cornell Universität sowie Francis J. Flynn von der Stanford Universität würden Ihnen im Gegenzug eher dazu raten bewusst Stress und anstrengende Teamsitzungen in Kauf zu nehmen und den einen oder anderen Narzissten in der Gruppe aufzunehmen. Obwohl diese in der Regel nicht unbedingt kreativer als Ihre Kollegen sind, wirkt deren übersteigertes Selbstbewusstsein und die damit einhergehende Euphorie durchaus stimulierend auf die anderen und führt zu einer Steigerung der kreativen Ausbeute des Teams.

Vermeintliche Probleme entpuppen sich manchmal als sehr nützlich! ☺