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Gantt Diagramm im Projektmanagement


Was ist ein Gantt-Diagramm?

Das Gantt-Diagramm ist eine Spezialform des Balkendiagramms, das der Projektterminplanung dient und alle Terminplanvorgänge des Projekts graphisch darstellt. Auf diese Weise soll die die Übersichtlichkeit im Projektablauf erhöht werden. Als einfachste Form der Balkenplanung wird sie nach ihrem Erfinder, Henry Lawrence Gantt, als Gantt Technik bezeichnet.

Wie funktioniert ein Gantt-Diagramm?

Zunächst werden die Arbeitspakete aufgelistet und als Balken dargestellt. Dann wird die Dauer geschätzt und die Start- und Endtermine abgeleitet. Je nach Detaillierungsgrad der Planung können einzelne Tätigkeiten innerhalb der Laufzeit durch Rechtecke visualisiert werden. Einzelne Projektschritte lassen sich fortlaufend nummerieren und in der ersten Diagrammspalte anzeigen.

 

gantt diagramm


Wer hat das Gantt-Diagramm erfunden?

Das Balkendiagramm wurde von Joseph Priestley (1733–1804) erfunden. Das Balkenplan-Prinzip in der Projektplanung wurde um 1890 von Karol Adamiecki, einem polnischen Ingenieur, der ein Stahlwerk im südlichen Polen betrieb, erfunden. Kurze Zeit später wurde der Balkenplan erstmals von Hermann Schürch (1881–1957) für Konstruktionsprojekte eingesetzt, der diesen methodischen Ansatz Bauprogramm nannte. Etwa 15 Jahre nach Adamiecki adaptierte der amerikanische Maschinenbauer und Unternehmensberater Henry L. Gantt (1861–1919) die Idee und gab dem Diagramm seinen Namen. Seitdem werden Gantt-Diagramme gemeinhin im Projektmanagement eingesetzt. Sie gelten als effektive Methode, um Aktivitäten (Aufgaben und Ereignisse) zeitbezogen anzuzeigen.

Wo werden Gantt-Diagramme eingesetzt?

Das Gantt-Diagramm gehört zum Handwerkszeug eines jeden Projektmanagers und ist als einfache grafische Darstellung einzelner Terminplanvorgänge auch aus der modernen Projektmanagement-Software nicht mehr wegzudenken. Bewährt hat sich diese grafische Darstellungsform im Projektmanagement, weil ihre Integration in Projektmanagement-Software ein sekundenschnelles Umsortieren der einzelnen Balken per Drag & Drop ermöglicht. Insbesondere dem agilen Projektmanagement mit seiner besseren Anpassungsfähigkeit an sich immer schneller verändernde äußere Faktoren kommt diese hohe Usability überaus entgegen. Idealerweise empfiehlt es sich, Gantt-Diagramme für Aufgaben mit Start- und Enddatum zu verwenden, so dass die Aufgaben als lange Balken in einem Balkendiagramm erscheinen und nicht als einzelne Momente. Geeignet ist das Gantt-Diagramm vor allem für kleine bis mittelgroße Projekte. Bei großen Projekten mit einer Vielzahl einzelner Aktivitäten und Wechselbeziehungen wird es aber schnell unübersichtlich. Das Ganze sollte also nicht allzu kleinteilig angelegt werden. Denn das ist letztlich nicht im Sinne des Erfinders und mindert die Effizienz des Tools.

Weltweiter Siegeszug

Der weltweite Siegeszug des Gantt-Diagramms (auch „Gantt Chart“ oder „Balkenplan“ genannt) beruht auf der schlichten Tatsache, dass sich möglichst simpel gehaltene Grafiken intuitiver und schneller gedanklich erfassen lassen als längere Beschreibungen in Textform. Der Zeitgewinn macht hier den Unterschied. Jedoch muss der Informationsgehalt dabei stets auf das Wesentliche reduziert sein.

Was sind die Vorteile des Gantt-Diagramms?

 

Wie ist ein Gantt-Diagramm aufgebaut?

Ein Gantt-Diagramm besteht in der Regel aus den folgenden Elementen:

Aktivitäten:

Aktivitäten bzw. Vorgänge fassen Arbeitseinheiten wie Arbeitspakete zusammen. Zum Beispiel gibt es in einem klassischen Projekt eine Aktivität für das gesamte Projekt und weitere Aktivitäten für die einzelnen Phasen wie Planung und Umsetzung. In einem agilen Projekt würde das Gantt-Diagramm ebenfalls mit der Projektaktivität beginnen und darunter ordnen Sie die einzelnen Release- und Sprint-Aktivitäten.

Arbeitspakete:

Arbeitspakete sind in sich abgeschlossene Aufgaben, die „bis zu einem festgelegten Zeitpunkt mit definiertem Ergebnis und Aufwand vollbracht werden“ (DIN 69901-5:2009-01). Arbeitspakete lassen sich nicht weiter untergliedern. Oftmals bestimmen die Arbeitspakete innerhalb einer Aktivität, wie lang die Aktivität selbst dauern wird. Dadurch würde sich die Balkenlänge der Aktivität im Gantt-Chart an Terminänderungen der Arbeitspakete anpassen.

Meilensteine:

Meilensteine kennzeichnen den Abschluss einer Phase bzw. Etappe im Projekt. Meilensteine sind speziell im Gantt-Chart gekennzeichnet und werden im Balkenplan oft als Raute dargestellt. Sie repräsentieren bestimmte markante Ereignisse, die besonders wichtig für den den weiteren Projektverlauf sind. Die Meilensteintrendanalyse dient als Grundlage für die spätere Kontrolle. Meilensteine sind als Arbeitsergebnis für den weiteren Projektverlauf besonders erfolgskritisch.

Dauer der Aufgaben und kritischer Pfad:

Die Dauer der Aktivitäten und Arbeitspakete bestimmt die Balkenlänge. Balken einzelner Aufgaben dürfen sich im Gantt-Chart überlappen. Es empfiehlt sich, zwischen den Aktivitäten Pufferzeiten einzuplanen. Wenn Aufgaben das Projektende beeinflussen und keine Pufferzeiten zwischen ihnen liegen, dann herrscht dort ein kritischer Pfad. Denn wenn sich dort etwas verzögert, verzögert sich auch das Projektende. Dieses Konzept kennen Sie vielleicht bereits aus Netzplänen.

Wie sieht der Kontrollfluss im Gantt-Diagramm aus?

Manche Aufgaben können Sie erst anfangen, wenn Sie andere beendet haben, oder sie sind abhängig vom Start einer anderen Aktivität. Diese linear ablaufenden Beziehungen müssen Sie ebenfalls im Gantt-Chart bzw. Balkendiagramm darstellen. Wenn Aufgaben linear ablaufen, können vier unterschiedliche Beziehungstypen herrschen:

Ende-zu-Start

Eine Aufgabe kann erst starten, wenn eine vorherige beendet ist.

Ende-zu-Ende

Eine Aufgabe kann erst enden, wenn eine vorherige beendet ist.

Start-zu-Start

Eine Aufgabe kann erst starten, wenn eine vorherige gestartet ist.

Start-zu-Ende

Eine Aufgabe kann erst enden, wenn eine vorherige gestartet ist (sehr selten).